Kontrapunkt mit großer Raffinesse  >
< Musik mit viel Witz und Ironie
  • erschienen am: 01.09.2003
  • um 22:09 Uhr Alter: 17 yrs
  • in: Kategorie: Kaleva (Finnland)
  • Hallensia-Quartett spielte im Festsaal des Stadthauses von Oulu


    Auf unserer ersten Finnlandreise in Oulu.

    Der Deutsch-Finnische Verein von Oulu organisierte am Samstagabend (30.8.2003) als Gegenangebot zu den (Fussball-) Weltmeisterschaften von Paris einen kostenlosen Kammerkonzertabend. Obwohl man sich einen besseren Zeitpunkt hätte vorstellen können, erschien ein überraschend zahlreiches Publikum; beinahe hundert Freunde der Germanistik.

    Auftretende waren das Hallensia Streichquartett aus Oulus Partnerstadt Halle: Henriette Auracher und Daniel Schad, beide Violine, Petra Berner, Viola und Markus Händel, Violoncello. Das Quartett möchte mit seinen kammermusikalischen Darbietungen auch gerade das Werk seltener gehörter Komponisten bekannter machen. Dieses ehrenvolle Anliegen vermehrt ganz sicher das Interesse an ihren Konzerten.

    Von den Komponisten des Abends gehörten neben Schostakovitsch wohl vor allem der Brite Britten und der Deutsche Loewe zu den selteneren. Von Schostakovitsch war das Streichquartett Nr. 3 D-Dur zu hören, in dessen Interpretation deutlichere Akzente willkommen gewesen wären. Die Spielweise erfolgte vorwiegend in forte, obwohl das Werk reichhaltigere Ausdrucksweisen ermöglicht hatte. Aber der Klang des Finales mit seinem (bewusst) schleppenden Tanz war in seiner Sanftheit geradezu bewegend.

    Die Unbändigkeit der Divertimenti von Britten zeigte von großem Können, allerdings hatte ich mir etwas mehr Feinheit als Würze des reißenden und barschen Gesamteindrucks gewünscht.

    Die Krönung des Abends war das 1. Streichquartett G-Dur von Carl Loewe, das mit viel Klangreichtum und Virtuosität eine zarte Interpretation erfuhr. Der als Lieddichter bekannte Loewe versuchte sein Glück mit zahlreichen Kompositionen auf dem Gebiet der Instrumentalmusik, aber zeit seines Lebens war seiner Orchestermusik ebenso wie seiner Kammermusik nur eine katastrophale Missachtung gegönnt. Dabei sind die Streichquartette von Loewe beachtenswerte Kompositionen, die sich auf die Tradition deutscher Musik stützen, aber sich dennoch nicht auf sie beschränken. Bei aller Anmut finden sich in ihnen auch immer dunklere Stimmungen. Dieses Quartett versteht es in seiner Spielweise, die diesem Komponisten eigene Sanftheit und weiche Liedhaftigkeit in seinen Melodien auszudrücken.

    In der Aufführung des Hallensia-Quartetts verdienten sich die jüngsten Musiker des Ensembles das größte Lob: die hervorragende und mit viel Gefühl spielende erste Geigerin Henriette Auracher sowie vor allem der junge Cellist Markus Händel, der ausgezeichnet sowohl als Solist als auch als Rückgrat des Quartetts im Gemeinschaftsspiel auftrat.