Quartett mit packender Ausstrahlung >
< Kontrapunkt mit großer Raffinesse
  • erschienen am: 01.02.2005
  • um 21:53 Uhr Alter: 15 yrs
  • in: Kategorie: Mitteldeutsche Zeitung
  • Zeitreise ins alte Paris und New York

    Hallensia-Quartett: Musik-Dramatik mit Debussy


    Als es zu schneien begann, wirbelte im Saal des Händel-Hauses ein finnischer Schicksalstango. Bei den nostalgischen Melodien, die Henriette Auracher ihrer Violine entlockte, fühlte man sich ins vorletzte Jahrhundert versetzt, genauer gesagt ins Jahr 1893. Damals entstanden in Paris und New York zwei Streichquartette, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Debussys einziges Streichquartett und Dvořáks "Amerikanisches Quartett"...

    Das Quartett inszenierte Debussy klanglich üppig aber auch mit großer Lebendigkeit und klanglicher Schärfe. Es entfaltete französischen Esprit und ein Feuer, das dem Dramatiker Debussy voll gerecht wurde.

    Ungleich traditioneller gab sich das Streichquartett bei Dvořák mit seinen fugenhaften Einsätzen. Die sinfonischen Züge inszenierte das Quartett mit großer Überzeugungskraft. Gerade im dritten Satz entzündete sich die Dramatik an beinahe minimalistischen Motiven, so dass man sich unwillkürlich an die neunte Sinfonie erinnert fühlte. Und als die unsentimentale Volkstanzstilisierung des Schlusssatzes mit sehnsuchtsfreien Terzen triumphierte, begann es draußen wieder zu schneien. Und man war wieder zurück – in unserem Jahrhundert.