Hallensia-Quartett begeisterte in Eilenburg  >
< Kompositionen von Loewe entdeckt
  • erschienen am: 04.12.2001
  • um 09:35 Uhr Alter: 20 yrs
  • in: Kategorie: Mitteldeutsche Zeitung
  • Balladen-Meister zwischen Wiener Klassik und Romantik

    Hallensia Quartett spielt Kammermusik des Komponisten aus Löbejün


    ...1821 schrieb Carl Loewe (1796-1869) seine ersten Streichquartette - nette, manchmal reizende Werke, die das Hallensia Quartett erstmals auf CD eingespielt hat. Die vier halleschen Philharmoniker überraschen mit dunkel getöntem, geschlossenem Klang und präsentieren sich als eingespieltes Quartett, das sich geschickt auf Musik aus der Region spezialisiert hat...

    Die beiden Streichquartette mit der Opusnummer 24 kommen klassisch daher: einfach in der formalen Struktur, ohne auffallende harmonische Kühnheiten, mit geschlossenem Klangbild. Die für das 19. Jahrhundert typische Aufwertung der Mittelstimmen gegenüber den Randstimmen findet bei Loewe kaum statt. Seine Vorbilder sind, ohne Zweifel Haydn und Mozart. Ab und an jedoch, etwa in der Mitte des Kopfsatzes von Opus 24/1, flimmern dunkel die Farben - hier kommt der Romantiker Loewe zum Vorschein. Seine Melodien sind mal rund und eingängig, wie man das vom Liedmeister erwartet, mal ziemlich einfallslos (erstes Quartett, 4. Satz).

    Das zweite Quartett wiegt schwerer: Raffiniert imitiert Loewe im ersten Satz eine langsame Einleitung, obgleich das Tempo eigentlich schnell ist. Eifrig diskutieren die Melodiestimmen, die Begleitung plappert anregend in Triolen. Der Mittelteil des Satzes unterbricht die muntere Diskussion wie ein Hammerschlag: düstere Klangwolken ziehen auf, Loewe übt sich in strenger Fugenarbeit. Irgendwann glaubt man sogar Schubertsche Tragik zu hören...